31 - Raincoat
Eine etwas andere Liebesgeschichte
Jahr/Herstellungsland: 2004 / Indien
Regie: Riturparno Ghosh
Darsteller: Aishwarya Rai, Ajay Devgan, Annu Kapoor, Mouli Ganguly
Ja, vermutlich nutzt es eh nicht viel... Ich kann hier wohl tausendmal schreiben, dass man dem indischen Kino trotz aller Vorbehalte, die es in unserer westlichen Hemisphäre diesem gegenüber gibt, eine Chance geben soll, und den meisten ist es wieder egal hier. Aber da haben die meisten mit mir ja auch etwas gemeinsam, denn mir ist es ebenso egal und wenn es nur einen gibt, der sich aufgrund eines Filmreviews hier im Ed Thread einen Film ansieht, dann sehe ich meine Mission gewissermaßen schon erfüllt.
Und so begeben wir uns heute wieder nach Indien, bevor ihr aber wieder aufhört zu lesen, sei noch gesagt, dass "Raincoat" ganz anders ist, als alles bisher in Deutschland dagewesene: Der Film kommt völlig ohne Tanzszenen aus, Gesang gibts gewissermaßen nur als Hintergrundmusik, Kitsch - Fehlanzeige. So, und jetzt könnt ihr weiterlesen...
Manjoj (Ajay Devgan) ist zwar beinahe pleite, möchte sich aber trotzdem selbstständig machen. Weil ihm 40000 Rupien fehlen, versucht er es bei seinen alten Schulfreunden. Also fährt er nach Kalkutta, um dort seinen Kumpel Alok, der mittlerweile verheiratet und ein erfolgreicher TV Produzent ist, um Kohle anzupumpen. Eines Tages stattet er seiner alten Freundin Niru, die er vor sechs Jahren heiraten wollte, einen Besuch ab. Die Heirat war von Nirus Eltern verhindert worden, die sie stattdessen mit einem reichen Industriellen verheiratet hatten.
Niru erkennt ihn zuerst fast nicht, lässt ihn dann aber wegen des starken Monsunregens ein. Sie beginnt zu erzählen: Von ihrem Mann, der ständig auf Geschäftsreisen ist, von dem Haus, welches mit antikem Mobiliar vollgestopft ist, von den vielen Hausangestellten, welche aber alle zur Mittagszeit zum Kartenspielen gehen und sie allein lassen. Sie ist gewissermaßen eine eingesperrte Prinzessin, die alles hat, aber nichts von dem braucht. Hin und wieder unterbrechen Flashbacks das Wiedersehen, in denen die glückliche Zeit der beiden geschildert wird. Manjoj gaukelt ihr - wohl aus Neid oder Scham - vor, ein erfolgreicher TV Produzent zu sein. Doch hinter der Fassade steckt viel mehr: Denn nachdem Niru Manjoj etwas zu essen holen geht, kommt ein seltsamer Mann vorbei: Er ist der Vermieter des Hauses und weiht Manjoj in die traurige Wahrheit ein:
Niru lebt in Wahrheit hochverschuldet in dem großen Haus voller Möbel, die gar nicht ihr gehören und in dem es schon lange keinen Strom mehr gibt. Erschüttert von dieser Wahrheit bezahlt Manjoj die Schulden Nirus, steht jetzt aber selbst ohne Geld da.
Als Niru zurückkommt halten beide ihre "Scheinwelt" aufrecht und trennen sich später am Abend, mit dem Versprechen sich wieder zu sehen.
Doch das Schicksal hat etwas ganz anderes mit den beiden vor und so finden sich manchmal die wahren Liebesbeweise in den Taschen eines Regenmantels...
"Raincoat" ist ganz und gar ein melancholisches Filmereignis - keine der typischen indischen Liebesgeschichten und wenn man so will gibts nicht mal ein Happy End mit Hochzeit oder ähnlichem. Aber "Raincoat" ist auch anstrengend: 80% des Films spielen in der dunklen Wohnung Nirus, die vor allem durch die geniale Beleuchtung sehr stimmig wirkt: In den Rückblenden dominieren sehr farbenfrohe und bunte Bilder - die Realität ist jedoch grau in grau gehalten. Nur in dieser "Dunkelheit" ist es Niru und Manjoj möglich, ihr "Spiel" aufrecht zu erhalten ohne ihre Masken fallen lassen zu müssen. Und das bringt mich schon zum nächsten Punkt, nämlich den durchwegs glaubhaften und sehr intensiven Darstellungen von Aishwarya Rai, die zunächst etwas "künstlich" rüberkommt, ein "Manko", das in Wahrheit keines ist, denn spielt gewissermaßen ja einen Charakter, der selbst vorgibt, eine andere Person zu sein. Zudem ist sie einfach zu schön um wahr zu sein (und darf daher auch für die nächsten paar Monate mein Avatar sein). Auch Ajay Devgan ist durchaus glaubhaft als "Gescheiterter".
"Raincoat" lebt vor allem durch seine elaborierten Dialoge, von der Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern und von dem nachdenklich stimmenden Sujet - das Ende des Films ist erst mal trotz seiner "Einfachheit" so unerwartet, dass man noch während des Abspanns regungslos im Sessel sitzen bleibt um die Intensität des eben gesehenen auch nur annähernd verarbeiten zu können.
Genial ist ebenfalls der Kniff, die Geschichte im Monsun anzusiedeln, so hört man desöfteren die Regentropfen auf den Boden oder gegen die Fenster prasseln (was dank Dolby Digital 5.1 auch sehr gut rüberkommt - dazu mehr im DVD Review) - das Gefühl der Trostlosigkeit wird somit noch etwas verstärkt.
Auch in Sachen Songs bietet "Raincoat" wunderschöne Lieder, die hier, wie schon erwähnt, nicht in Form von Tanzszenen dargeboten werden, sondern wie normale Filmmusik im Hintergrund laufen und vor allem durch die nachdenklichen und durchwegs zur Szene passenden Texte einmal mehr zur Stimmung beitragen.
Fazit: "Raincoat" ist ein stiller Film, ein Film der nachdenklich stimmt, ein Film der eher wenig unterhält, atmosphärisch dicht und schauspielerisch hervorragend umgesetzt ist. Wer hier einen action- oder auch emotionsgeladenen farbenfrohen Bilderreigen erwartet, wird wohl bitter enttäuscht - "Raincoat" stellt eher die Arthausfraktion zufrieden, die Menschen, die sich gerne Zeit nehmen, zwei Stunden einem intensiven Dialog zu widmen. Der Rest wird wohl nach der Hälfte der Laufzeit eher einschlafen.
Give it a try!
4,5/5
DVD Review:
http://www.dvd-forum.at/5897/dvd_review_detail.htm
Ofdb:
http://www.ofdb.de/view.php?page=fil...9&partner=2429
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