DAS LEBEN DER ANDEREN
(Das Leben der Anderen, 2006)
Regie: Florian Henckel VON DONNERSMARCK
Cast: Ulrich MÜHE, Sebastian KOCH, Martina GEDECK, Ulrich TUKUR, Thomas THIEME ...
Link zu meiner DVD-Sammlung
Wikipedia
IMDb-Rating: 8.5/10
Film-Review von eXistenZ
Diskussionsthread im Forum
Meine Bewertung:
5/5
DAS LEBEN DER ANDEREN ist wohl einer der besten deutschen Filme aller Zeiten, deutsche Vergangenheitsaufarbeitung in Reinkultur. Auch wenn mir persönlich z.B.
GOOD BYE LENIN! sehr gut gefallen hat, so muss man diesen Film (mit einigen anderen auch, die mir aber alle gänzlich unbekannt sind) in die Kategorie Ostalgiewelle einordnen, welcher
DAS LEBEN DER ANDEREN ein Ende setzt.
Florian HENCKEL VON DONNERSMARCK rechnet eiskalt ab mit der Maschinerie des Sozialismus.
Man merkt, dass sich der Regisseur zwischen der ersten Idee und der Realisierung des Drehbuchs sehr viel Zeit gelassen hat, um sein Langfilmdebut ausreichend vorzubereiten. Ganze 7 Jahre liegen zwischen Idee und Realisierung und dieser hohe Aufwand hat sich wahrlich gelohnt. In fantastisch inszenierten Einstellungen wird uns eine Welt gezeigt, die nur wenig zu tun hat mit dem fröhlichen Tun aus
GOOD BYE LENIN! Korrupte Politiker, Zensur, Missgunst und ein System, das von totaler Überwachung geprägt wird und nur Verlierer zulässt. Der Gegensatz dazu die Welt der Künstler: farbenfrohe Bilder, Wein, Weib und schöne Musik! Dazwischen ein Mann, der diese wunderbare Musik gar nicht hören will. Er sitzt im Dachboden mit einem Kopfhörer und es wurde ihm befohlen,
DAS LEBEN DER ANDEREN zu überwachen und zufällig diese Musik zu hören.
Das erste Drittel mag vielleicht etwas langatmig erscheinen, weil sich der Regisseur sehr viel Zeit lässt, um die vielen Details seiner ausgiebigen Recherche auch ins rechte Licht zu rücken. Aber ab dem Zeitpunkt, wo dem Stasi-Hauptmann Wiesler bewusst wird, dass der "OV" beim Theaterautor Dreymann nichts mit der Staatssicherheit zu tun hat, nimmt die Handlung Fahrt auf und lässt einem nicht mehr los.
Aber nicht nur das wunderbare Drehbuch und die Regie haben Lob verdient. Auch und vor allem die Darsteller spielen einfach nur grandios, allen voran
Ulrich MÜHE als Stasi-Hauptmann Wiesler. Die Veränderung vom kaltblütigen, gewissenlosen Stasi-Hauptmann, der seine Aufträge und Verhöre mit pedantischer Genauigkeit und Systemtreue durchführt hin zum mit inneren Konflikten kämpfenden Rebell nimmt man ihm in jeder einzelnen Szene ab.
Auch wenn es sich hierbei um keine Verfilmung einer wahren Geschichte handelt, so gab es doch auch belegte Fälle, in denen MfS-Mitarbeiter Dienstverweigerung begingen. Nur wurden diese nicht strafversetzt, sondern zum Tode verurteilt und hingerichtet. Trotzdem handelt es sich bei
DAS LEBEN DER ANDEREN um einen sehr authentischen Film, der durchaus seinen Platz im Geschichtsunterricht verdient hätte (wie zum Vergleich auch
DER BOCKERER in Österreich) und mir vielleicht auch deswegen so gut gefallen hat.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch die gewählte Musik zum Film, für welche der libanesische Filmkomponist
Gabriel YARED (Oscar für
THE ENGLISH PATIENT) verantwortlich zeichnete. Die Klavieretüde
SONATE VOM GUTEN MENSCHEN, welche im Film Wiesler zum Nachdenken über seine Arbeit für die Stasi anregt, vergleicht der Regisseur mit Beethovens
APPASSIONATA, über die Lenin angeblich folgendes sagte:
"Ich kann diese Musik nicht oft hören, weil ich sonst Menschen die Köpfe streicheln will, denen ich sie doch einschlagen muss, mitleidslos einschlagen"
Zitat:
|
Zitat von Gabriel YARED
Du liegst auf dem Bett, verzehrst dich vor Lust, aber die Frau ist noch im Badezimmer mit Cremes und Ölen zugange. Du wartest und wartest und wirst fast verrückt. Gerade als du es nicht mehr aushalten kannst, geht die Tür auf, und sie erscheint ... so wunderschön ... und du weißt: Das Warten hat sich gelohnt. Genauso muss es mit Filmmusik sein.
|
Meiner Meinung nach ist genau dies bei
DAS LEBEN DER ANDEREN perfekt gelungen. Die Musik passt in jeder Szene und schweigt, wenn es sein muss!
Ein toller Film, der jeden einzelnen seiner zahlreichen Preise (darunter bekanntlich der Oscar für den besten ausländischen Film) mehr als nur verdient hat!