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Alt 03.09.2007, 16:43   #121 (permalink)
Jurgy
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Standard 2. September 2007

INLAND EMPIRE
(Inland Empire, 2006)
Regie: David LYNCH
Cast: Laura DERN, Grace ZABRISKIE, Jeremy IRONS, Justin THEROUX, Harry Dean STANTON ...

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Wikipedia
Film-Review von eXistenZ
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IMDb-Rating: 7.4/10
Meine Bewertung: 5/5




Bekannterweise bin ich ein großer Fan des Meisters und seiner Werke. TWIN PEAKS ist für mich nach wie vor die beste TV-Serie aller Zeiten. Aber auch LOST HIGHWAY und MULHOLLAND DR. befinden sich nach wie vor in meiner persönlichen All-Time-High-Liste ganz weit oben. Ich kann getrost von mir behaupten, dass ich mit den Werken von David LYNCH durchaus vertraut bin, aber nicht immer in jedem seiner Filme eine Lösung suche bzw. gefunden habe. Manchmal ist es das Beste, einfach das Gesehene "wirken" zu lassen ...

... und genau so sollte man wohl (zumindest die ersten paar Male) an INLAND EMPIRE herangehen. Kann man in den ersten 45 Minuten noch eine beinahe nachvollziehbare Handlung sehr rasch erkennen (weshalb diese ersten Minuten auch für mich die schwächsten des gesamten Films sind), so beginnt der Film dann erst so richtig ... und auch so richtig zu wirken!!!

Wie immer, wenn es um einen Film von David LYNCH geht, kann man viele verschiedene Interpretationen lesen. Ich muss gestehen, dass ich mir auch nach dem 2. Mal ansehen noch keine Gedanken über eine Interpretation zum oder über den Film gemacht habe. Ich konnte nicht anders, als die verstörenden und komplexen Bilder dieses fantastischen Werkes einfach in mich eindringen zu lassen ... was mir beim 2. Mal deutlich besser gelungen ist, da ich ja schon ansatzweise wusste, was auf mich zukommt.

"In a nameless city deluged by a continuous rain... three rabbits live with a fearful mystery"
Natürlich findet man einige Anhaltspunkte, um sofort zu wissen, wer der Regisseur dieses verwirrenden Psychotrips ist: Da ist einerseits die immer wiederkehrende Sitcom RABBITS aus dem Jahre 2002, welche als Film-im-Film (oder als Film-im-Film-im-Film???) läuft und keinen Bezug zum eigentlichen Geschehen in INLAND EMPIRE erkennen lässt ... oder doch??? Andererseits kennt man schon vom Meister das ständige Spiel mit der Zeit. Das Heute oder Morgen spielt dabei überhaupt keine Rolle, denn sämtliche zeitliche Abfolgen, welche man sich während des Ansehens "zusammenreimt", werden ... manchmal auch nur durch einige wenige kurze Sequenzen ... immer wieder völlig ad absurdum geführt. Und nicht zu vergessen der in jeder einzelnen Szene immer perfekt eingesetzte Sound. Niemand anderer kann aus einer völlig belanglosen Szene nur mit dem richtigen Toneinsatz einen psychosomatischen Horrortrip erstellen. Oder eben das perfekte Spiel mit Licht und Dunkelheit ... und natürlich der Farbe Rot.

"Look at me, and tell me if you've known me before"
INLAND EMPIRE lädt zwar, nicht zuletzt aufgrund zahlreicher, meist nur sehr kurzer, scheinbar belangloser Sequenzen und Symbole, ein, stundenlang darüber zu philosophieren, was genau uns der Meister in dieser einen Sekunde, in dieser Szene oder mit diesem Zeichen/Symbol vermitteln wollte. Aber dafür ist es ... in jedem Fall für mich ... nach eindeutig zu früh. Dafür müsste ich mir wohl oder übel mal ein verlängertes Wochenende (oder länger???) Zeit nehmen, um jede einzelne Szene für mich selbst zu analysieren.

Aber macht es wirklich Sinn, so rational dieses tief- (oder ab-)gründige Meisterwerk zu "zerpflücken"??? Mal sehen was die Zeit bringt, aber derzeit bin ich noch zu berauscht von diesen anspruchsvollen und komplexen Bildern, als mir über so banale Fragen des "Wie" und "Warum" Gedanken zu machen! Aber ... ist es nicht eher so, dass auch INLAND EMPIRE ein Spiel vom Meister mit der Wahrnehmung des Betrachters ist??? Was tatsächlich passiert oder nur in der Fantasie der jeweiligen Hauptfigur, bleibt wie immer bei Filmen des Meisters jedem selbst überlassen. Wird es deshalb nicht einfach so, dass jeder Erklärungsversuch des Film scheitern MUSS??? Aber es macht eben auch gewissen Spaß, sich diese sinnlosen Fragen zu stellen und es doch immer wieder zu versuchen, die Werke des Meisters zu entschlüsseln. LYNCH hat sicher seinen Spaß an den verschiedensten Interpretationen ... könnte ich mir zumindest vorstellen.

Nicht unwesentlich beteiligt am Erfolg dieses Werkes ist die Hauptdarstellerin und Co-Produzentin Laura DERN. Konnte sie schon in früheren Filmen von David LYNCH (BLUE VELVET, WILD AT HEART) überzeugen, so spielt sie in INLAND EMPIRE die Rolle ihres Lebens. Jede Szene des Films füllt sie mit ihrer Präsenz und ihrer ästhetisch überzeugenden und außergewöhnlichen Umsetzung. Einfach nur grandios!

"Comedy for Lynch Beginners"
Für zwei (beinahe lächerliche) Ansätze finde ich aber zum Abschluss dennoch die Zeit bereits jetzt, um darüber ein wenig zu diskutieren: Einige halten den Film für LYNCHs erste Komödie, andere wiederum bezeichnen den Film als schwach, aber sehr gut geeignet für LYNCH Anfänger

Nun ... Geschmäcker sind zum Glück verschieden und dass dieser bizarre, verwirrende und surreale Psychotrip nicht jedermanns Sache ist, versteht sich wohl von selbst. Aber während es sowieso lächerlich erscheint, über die Annahme INLAND EMPIRE sei eine Komödie zu diskutieren, so wäre ich doch überaus vorsichtig, diesen Film einem LYNCH-Anfänger an die Hand zu geben. LOST HIGHWAY und MULHOLLAND DR. waren schon äußerst komplexe Werke, deren Fortsetzung als Fernsehserie (was ja bei MULHOLLAND DR. geplant war) leider nicht in die Realität umgesetzt wurde. Aber wie eX in seinem Review sehr treffend anführt, waren diese beiden Filme nur Fingerübungen im Vergleich zur Komplexität der verschiedensten Gefühls-, Zeit- und Wahrnehmungswelten von INLAND EMPIRE. Zumindest wäre es ein sehr gewagter Einstieg in eine Welt voller Mysterien, der man sich nur vorsichtig nähern sollte ...

... es macht nämlich süchtig, ein Lynchian zu sein ... oder sein zu wollen!!!
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Geändert von Jurgy (31.01.2008 um 17:23 Uhr)
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