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Alt 31.12.2007, 03:54   #221 (permalink)
Jurgy
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Standard 30. Dezember 2007

NO COUNTRY FOR OLD MEN
(No Country for Old Men, 2007)
Regie: Ethan & Joel COEN
Cast: Tommy Lee JONES, Javier BARDEM, Josh BROLIN, Woody HARRELSON, Kelly MACDONALD ...

Link zu meiner DVD-Sammlung
Wikipedia
Film-Review von MEMENTO
Diskussionsthread im Forum
IMDb-Rating: 8.7/10 (# 31 der IMDb Top 250)
Meine Bewertung: 3,5/5




Selten hab ich mir so schwer getan, mir eine Meinung über einen Film zu bilden. Ich musste mir NO COUNTRY FOR OLD MEN gleich zweimal hintereinander ansehen ... nicht, weil er mir so gut gefallen hat, sondern weil ich beim ersten Ansehen aufgrund der vielen nuschelnden Darsteller so gut wie nichts verstanden und auch genau nicht kapiert habe, was mir die COEN-Brüder mit NO COUNTRY FOR OLD MEN genau sagen wollen. Ich bin ja ein Freund der schwierigen Filmemacher und bin immer wieder sehr erfreut darüber, wenn uns die Drehbuchautoren und Regisseure nicht alles bis ins kleinste Detail vorkauen und man beim Ansehen eines Films auch a bisserl sein Hirn einschalten muss. Aber einen Film mittendrin abbrechen???

Grundsätzlich bin ich den COEN-Brüdern gegenüber sehr aufgeschlossen. THE BIG LEBOWSKI, FARGO, THE LADYKILLERS, THE MAN WHO WASN'T THERE, MILLER'S CROSSING und INTOLERABLE CRUELTY finden sich alle in meiner Sammlung ... aber als großer Fan ihrer Filme würde ich mich nicht unbedingt bezeichnen. Im Grunde beinhalten die "normalen" Filme der COEN-Brüder immer wieder die gleichen Inhalte: gnadenlose Gewalt, Männlichkeit und skurrile Charaktere ... so auch NO COUNTRY FOR OLD MEN, welcher mit Abstand der blutigste COEN-Film ist, den ich kenne ... aber eine der wichtigsten Eigenschaften der COEN-Filme habe ich schmerzlich vermisst: Ihren knochentrockenen, tiefschwarzen Humor!

FARGO ist nach wie vor einer meiner Lieblingsfilme (den ich mir wieder mal ansehen sollte) und auch nach NO COUNTRY FOR OLD MEN der einzige Film der COEN-Brüder, der von mir die Höchstnote bekommen hat. THE MAN WHO WASN'T THERE war ein gnadenlos guter Film mit einem überragenden Billy Bob THORNTON, gefolgt von THE BIG LEBOWSKI ... in all diesen drei Filmen konnte man sehr leicht das Muster der COEN-Brüder erkennen. Auch konnte man all diesen Filmen trotz derer Skurrilität eine gewisse Aussagekraft entnehmen.

Umso mehr habe ich mich auf NO COUNTRY FOR OLD MEN gefreut, da ich bisher nur fantastische Reviews gelesen habe. Aber was genau haben all diese Verfasser dieser Reviews gesehen, was ich anscheinend auch beim zweiten Mal ansehen verpasst habe???
Spoiler:
Ein Mann jagt in der Wüste von Texas, findet ein paar Tote, Drogen und 2 Mio. Dollar. Packt das Geld ein und wird fortan von einem brutalen Serienkiller gejagt. Ein Sheriff mischt sich in die Suche ein ... haufenweise Tote auf der Jagd nach dem Geld ... und dann endet der Film nach 116 Minuten abrupt!

Wirklich Neues konnte ich während der gesamten Laufzeit nicht ausmachen. Einen Schlachtschussapparat als Waffe zu verwenden mag für einen Film eine Novität sein, aber eigentlich ist es nichts weiter als Brutalität pur eines psychopathischen Serienkillers. Auch von der vielzitierten Spannung konnte ich leider nicht viel erkennen.

Allerdings will ich den Film nicht gänzlich schlecht reden. Handwerklich ist der Film erste Sahne. Dass die COEN-Brüder wissen, wie man einen Film inszeniert ist unbestritten. Aber was den Film wirklich rettet sind grandiose Leistungen der Darsteller. Bei der Besetzung hatte man definitiv ein glückliches Händchen. Josh BROLIN hat schon mehrfach bewiesen, dass er ein ausgezeichneter (Neben-)Darsteller ist. Auch Tommy Lee JONES und Woody HARRELSON haben mir sehr gut gefallen. Doch Javier BARDEM hat mit seiner grenzgenialen Performance des psychopathischen Serienkillers alle an die Wand gespielt. Er ist das absolute Highlight dieses Films und wird bei der Nominierung der großen Awards wohl nicht zu übersehen sein (eine Golden Globe-Nominierung hat er ja schon in der Tasche).

Am allerschwersten habe ich mir allerdings bei der Bewertung dieses Films getan. Das IMDb-Rating von 8.8/10 (bei immerhin knapp 26.000 Votes, macht derzeit Platz 18 im All-Time-High-Ranking) und die fantastischen Bewertungen aller Review-Verfasser kann ich in keinster Weise nachvollziehen. Bei den Darstellern, der Regie und der Kamera kann man nicht abstreiten, dass es hierbei um absolute Höchstleistungen handelt. Aber die Story selbst war von den Teilen, welche die COEN-Brüder offen gelegt haben, bestenfalls ein durchschnittlicher Thriller ... welcher auch in meinem Kopf (einen Gutteil der Handlung darf man sich ja selbst ausdenken) nicht besser wurde.

Vielleicht etwas zu hohe 3,5 Punkte für NO COUNTRY FOR OLD MEN, der noch jede Menge Diskussionen auslösen wird. Alle Nominierungen und Preise als Bester Film, welche schon vorhanden sind und wohl noch kommen werden, sind in jedem Fall übertrieben und entbehren jeder Grundlage.
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Geändert von Jurgy (22.04.2008 um 19:30 Uhr)
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